Airbnb Betrugsmasche – ich bin reingefallen..

Manchmal fragt man sich wie viel Leid und Rückschläge ein Mensch ertragen muss.. einige von euch wissen, mir ging es in Australien sehr schlecht und als ich zurück kam lief bei mir eigentlich nichts wirklich im Leben (wie so oft, einige von euch wissen ja durch meinen 1. Blogpost, dass ich es nie sehr einfach hatte). In den letzten Wochen hatte sich bei mir alles zum Guten gewendet und es lief eigentlich alles wieder wirklich gut. Ich hatte mich ja bereits seit einigen Wochen auf Wohnungssuche begeben und war dabei absolut euphorisch. Nur dann passierte mir dann etwas, von dem ich niemals gedacht hätte, dass es mir mal passieren würde..

Ich habe auf den verschiedenen typischen Websites nach Wohnungen gesucht und bin dabei auf eine tolle Wohnung in Köln Lindenthal über Immowelt gestoßen. Es ging über einen privaten Anbieter nicht über einen Makler, was ich zunächst gut fand, da das oft günstiger sein kann. Der Preis war für die Lage und Grüße der Wohnung schon recht günstig, was mich stutzig gemacht hat. Allerdings habe ich ein paar Freunde, die ebenfalls Glück hatten, eine günstige Wohnung in Köln zu ergattern. Ich habe mich dann dazu entschieden, mich auf die Wohnung zu bewerben.

Zwei Tage später bekam ich dann auch eine Antwort der „Besitzerin“ Frau D. Es war ein sehr netter Kontakt. Sie hat mir erzählt, dass sie (51) mit ihrem Mann (54) aus Dublin kommen und dort als Software Ingenieure arbeiten. Sie hat die Wohnung die letzten Jahre über Airbnb vermietet, allerdings wurde ihr dies zu lästig, da sie immer zwischen Köln und Dublin hin und herfliegen musste, um zu schauen, ob mit der Wohnung alles in Ordnung ist. Deswegen sucht sie nun jemanden der die Wohnung langfristig mietet. Sie erzählte mir noch ein paar Eckdaten und stellte einige Fragen zu meiner Person: wie alt ich bin, wie meine berufliche Situation aussieht und wie viele Leute mit mir einziehen würden etc. Der Kontakt verlief in Englisch, aber das Englisch war einwandfrei und nicht von Google übersetzt.
Wir haben dann ein wenig miteinander geschrieben und sie sagte mir, dass sie auch die langfristige Buchung gerne über Airbnb machen würde, da beide Parteien abgesichert sind, was für mich erstmal nicht schlecht klang. Wir würden aber trotzdem auch einen normalen Vertrag abschließen. Sie würde dann aus Dublin kommen, mir die Schlüssel übergeben und wir würden alles klären. Sie hat dann nach ein paar völlig normalen Daten von mir gefragt, wie mein voller Name und meine aktuelle Adresse. Außerdem gab sie mir ihre Whatsapp Nummer, die auch bei Whatsapp hinterlegt war bzw. immer noch ist und auch die Vorwahl passte zu Irland.
Sie schickte mir dann einen Link, worüber ich zu ihrem Airbnb Inserat kam. Alles sah erstmal vollkommen normal aus, ich habe Airbnb jetzt auch noch nicht so oft benutzt. Sie war ein verifizierter Account (verifiziert mit Personalausweis, Selfie, Email und Facebook) und hatte positive Bewertungen. Bewertungen kann man auf Airbnb nur schreiben, wenn man die Wohnung auch wirklich gebucht hatte. Ich buchte die Wohnung dann für den 01.07 an für 60 Monate zunächst. Sie sagte mir, ich kann die Wohnung auch früher verlassen mit einer Vorlaufzeit von 30 Tagen. Auf der Website stand auch, dass ich die Buchung noch 24h nach Eintritt in die Wohnung stornieren kann, wenn sie mir nicht zusagte.
Bevor ich diese Wohnung gebucht habe, habe ich natürlich die Namen der Leute und auch den Namen der Straße nach Betrugsfällen gegoogelt, wurde dabei aber nicht fündig. Und da ich auch dachte es geht über Airbnb hat mich das nicht stutzig gemacht. Und auch als ich mir das Haus bei Google Maps angeschaut habe, stimmte alles mit den Bildern überein. Hier mal eine kleine Diashow wie das ganze aussah:

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Also habe ich mich dazu entschlossen die Buchung abzuschließen. Zu der Buchung gehörten die Kaution, die 1. Monatsmiete und die 12 Euro Service Fee an Airbnb. Ich habe dann eine Buchungsbestätigung von Airbnb bekommen und eine Rechnung mit dem Bankaccount. Die Email Adresse lautete airbnb@automated-invoice.com. Also jetzt auch erstmal nicht sonderlich verdächtig. Der angegebene Bankaccount hatte einen anderen Namen als der von Frau D. Es war ein russischer Name, aber auch Frau D hatte einen russischen Vornamen und es hätte ja ihr Sohn, Bruder etc sein können. Der Polizist meinte spätestens hier hätte ich stutzig werden müssen und das denke ich mir im Nachhinein natürlich auch, aber in dem Moment war ich so euphorisch.
Ich musste dann bei Airbnb einen Zahlungsnachweis hinterlegen und Frau D sagte mir dann, dass sie mich morgen darüber informieren würde, wann sie nach Köln fliegt. Das ganze geschah gegen Mittag am Sonntag den 10.05.20.

Als ich mit meinen Eltern mittags am Tisch saß um die Muttertagstorte zu essen, sagte mein Vater, dass wir ja danach mal vorbeifahren können. Also entschieden wir uns hinzufahren und uns alles einmal anzuschauen. Das Haus und die Umgebung die man bei den Fenstern als Ausblick auf den Bildern erkennen konnte, stimmten überein. Es waren also definitiv die originalen Bilder (wahrscheinlich war die Wohnung vor kurzem wirklich inseriert und sie haben die Bilder daher). Zwei Klingeln waren frei, was ebenfalls passte. Was meinen Vater immer stutziger machte war der Preis für dieses moderne Haus und die perfekte Lage direkt am Clarenbachkanal. Und auch meine Mutter zu Hause wurde immer skeptischer und fing an zu googlen. Dabei fand sie einige Einträge über Betrugsfälle bei Airbnb, die ganz ähnlich klangen. Ich wurde erstmal ein bisschen sauer über die Skepsis meiner Eltern, fing dann aber auch an etwas unruhig zu werden und ein ungutes Bauchgefühl zu bekommen. Ich schaute mir den Airbnb Link, den sie mir geschickt hatte nochmal genauer an. Ich konnte kurioser Weise nicht über das Airbnb Logo oben in der Ecke zurück auf die Startseite gelangen was normalerweise der Fall ist (hier waren die Betrüger wirklich dumm, weil das wäre sehr einfach gewesen, dass noch einzufügen). Und auch das Suchen Feld funktionierte nicht, aber das habe ich nicht benutzt. Ich habe dann über Google die Airbnb Seite selbst aufgerufen und fand kleine Unterschiede im Design der Website. Als ich die Wohnung dann nicht über die Suche finden konnte, wurde mir klar, dass meine Mutter Recht hatte und ich Opfer eines Betrugs wurde.

Zuerst habe ich Airbnb angerufen (inzwischen waren es ca 16/17 Uhr) und habe ihnen die Lage geschildert. Der Mitarbeiter sagte mir, dass die Email über die ich die Rechnung bekommen habe, gar keine Email von ihnen ist und auch die Buchungsnummer existiert nicht. Er sagte mir auch, dass Zahlungen nur über Airbnb selbst laufen. Ich musste dann ein Formular ausfüllen und sie haben den Fall aufgenommen.
Danach habe ich sofort meine Bank angerufen um die Überweisung zu stoppen. Da ja Sonntag ist und Sonntags keine Überweisungen getätigt werden, dachte ich, ich könnte dies vielleicht noch stoppen, auch wenn der Airbnb Mitarbeiter mir da schon wenig Hoffnung drauf gemacht hat. Ich hing erstmal eine halbe Stunde in der Warteschleife, bis mir die Frau meiner Bank sagte, dass Banküberweisungen nicht rückgängig gemacht werden können und noch schwieriger wird es, wenn es an eine ausländische Bank geht. Sie riet mir aber dringend zur Polizei zu gehen. Da brach dann für mich wirklich so alles zusammen und ich habe realisiert, was da grade passiert ist.
Ich bin dann direkt mit meinem Vater zur Polizei gefahren. Der Polizist war super nett und hat mit uns den ganzen Fall aufgenommen und alle Beweise, Daten der Personen etc. gesammelt. Das Ganze geht jetzt an die Kriminalpolizei, aber all zu große Hoffnung habe ich nicht, denn solche Betrüger werden immer professioneller und können sich in alle möglichen Systeme hacken.
Abends gegen 21/22 Uhr hat mir eine Freundin dann noch einen Link geschickt, dass Überweisungen eigentlich schon zurückgeholt werden können und ihr Freund das auch einmal gemacht hätte. Das es nicht ginge, wäre nur ein Bankmärchen. Also habe ich nochmal bei der Bank angerufen und ordentlich Druck gemacht, aber auch diese Dame sagte mir, dass sie das nicht könne. Seit der neuen Sepa Änderung sind ihnen da die Hände gebunden. Auch der Polizist auf der Wache sagte mir ja bereits, dass dies nicht möglich ist. Das wissen die Betrüger natürlich auch, sonst würden ja Einige, denen es früh genug auffällt, ihr Geld zurückholen bzw. die Überweisung stoppen.
Heute (Montag 11.05.20) morgen kamen mir dann doch nochmal zweifel, ob es nicht doch geht. Ich habe dann gegen 11 Uhr nochmal meine Bank angerufen. Diesmal habe ich mir den Vorgesetzten geben lassen. Dieser hat mir bestätigt, dass es nicht möglich ist, was auch vertraglich geregelt ist (er hat mir den Paragraphen genannt). Es könne ja sonst auch jeder etwas bestellen und dann das Geld zurückfordern. Eine Möglichkeit wäre es zur Polizei zu gehen, die Polizei muss dann bei der Bank anfordern das Geld zurückzufordern, da es sich um Betrug handelt und die Bank kann dann das Geld von der Bank anfordern, an die das Geld ging. Dafür muss das Geld aber noch auf dem Konto sein und bei Betrügern ist das immer sehr schwierig und man sollte sich nicht all zu große Hoffnung machen.

Einige werden sich jetzt vielleicht denken, wie ich so blöd sein konnte darauf reinzufallen, aber das ist immer leicht zu sagen, wenn man nicht selbst in der Situation ist. Im Nachhinein denke ich mir natürlich auch, es hätte mir auffallen müssen, aber da ist man ja bekanntlich immer schlauer. Menschen machen Fehler, nur war dieser leider sehr teuer. Aber soetwas wird mir nur einmal passieren. Der Polizist hat mir zu Mundpropaganda geraten, da er selbst diese Art von Airbnb Betrug noch nicht kannte. Daher habe ich mich entschieden, das mit euch zu teilen und vielleicht kann es den ein oder anderen von euch vor so einem Fehler bewahren. Hinterfragt immer alles, es wird euch nichts geschenkt!