Lifestyle

Der erste richtige Beitrag, den ich hier verfasse ist eine Herzensangelegenheit für mich. Früher habe ich dieses Thema oft totgeschwiegen und wollte nicht darüber reden aber bringt das was? Nö. Man muss darüber reden, es bringt nichts es in sich reinzufressen und nur über schöne Dinge zu reden. Auf Instagram sieht mein Leben sicher für viele viel perfekter aus als es eigentlich ist und vielleicht auch sorgenlos aber so ist es nicht. Instagram ist meine „Traumwelt“ (ich nenne es jetzt mal so) wo ich mich dem Alltag mal entfliehen und sorgenfrei sein kann. Entfliehen vor der Diagnose die mir vor knapp 6 Jahren (im Alter von 15) an den Kopf geknallt wurde: Krebs. Alles begann mit ständiger Müdigkeit und atemlosigkeit. Auf der Klassenfahrt bin ich ständig überall eingeschlafen, sei es im Bundestag oder im Museum (Entschuldigung, dass war aber auch echt sowas von Langweilig dort). Trotzdem waren es Zeichen, die mein Körper mir gegeben hat und weswegen meine Eltern damals gesagt haben, wir gehen jetzt zum Arzt und lassen dich einfach mal durchchecken. Da hat natürlich noch niemand mit sowas gerechnet. Beim Arzt fiel auf, dass ich laut den Blutwerten eine Schilddrüsenunterfunktion hätte. Mit einer Unterfunktion nimmt man aber extrem zu und ich war ziemlich dünn. Beim erneuten Blutbild von der Schilddrüse bekamen wir erneut die selben Ergebnisse. Also beschloss meine Ärztin per Sonografie (Ultraschall) einen Blick auf meine Schilddrüse zu werfen. Dabei sah sie einen Knoten, was aber absolut nicht ungewöhnliches ist, denn verdammt viele Menschen haben einen und sogar mehrere Knoten auf der Schilddrüse. Trotzdem schickte sie mich weiter in die Fachklinik und dafür bin ich ihr auf ewig dankbar (wir haben ihr auch einen Strauß Blumen vorbei gebracht, denn ihr verdanke ich definitiv mein Leben). In der Fachklinik wurde ein erneuter Ultraschall gemacht und dabei wurde festgestellt, dass der Knoten sehr sehr groß ist. Fazit: OP, raus damit. Also ging es für mich ab nach Köln ins Krankenhaus (wir haben hier Gott sei Dank einen Spezialisten auf dem Gebiet) um einen Termin festzumachen und eine Woche später wurde ich operiert. Ich kann euch gar nicht sagen wie viel Schiss ich davor hatte aber ich denke das ist vollkommen normal. Vor der OP hab ich Tabletten bekommen, durch die ich Gott sei Dank nichts mehr mitbekommen habe. Die OP dauerte an die 6 Stunden, denn während der OP wird der Knoten herausgenommen und per Schnellschnitt ins Labor geschickt. Dort wird dieser dann untersucht ob es Krebs ist oder nicht, eventuell kann auch nur gesagt werden, dass es eventuell Krebs ist, dann wird man je nach dem am nächsten Tag nochmal operiert. Bei mir war es direkt eindeutig: ein papilläres Schilddrüsenkarzinom, bedeutet: Totale Thyreoidektomie. Also die komplette Entfernung des Schilddrüsengewebes und der umliegenden Lymphknoten. An sich ist diese Art von Schilddrüsenkrebs leicht zu behandeln, allerdings hatte er bei mir bereits relativ weit gestreut. Von 39 entfernten Lymphknoten waren bereits 29 befallen. Als ich dann nach der Operation aufgewacht bin, war ich schnell relativ fit und habe in den Augen meiner Eltern gesehen, das etwas nicht stimmt. Da war es mir dann auch schon klar. Ich lag noch eineinhalb Wochen im Krankenhaus, danach folgte dann die Radiojodtherapie eine Art innere Bestrahlung mit radioaktivem Jod, die die Krebszellen vernichtet (nur dabei leider auch gutes zerstört. Eine Chemo gibt es hier nicht. Diese Therapie kriege ich alle paar Jahre mal wieder mit niedriger Dosis um zu kontrollieren ob alles in Ordnung ist. Zu dem Zeitpunkt war ich in der 9. Klasse des Gymnasiums und natürlich konnte ich nicht weitermachen wie gehabt, denn ich hab einfach zu viel Stoff verpasst. Da ich nicht wiederholen wollte hatte ich durch G8 die Möglichkeit auf dem Berufskollege neu anzufangen und dort mein Abitur zu machen. Dies habe ich dann auch in meiner regulären Zeit geschafft und kurz danach mein Studium Medizinökonomie angefangen. Das ich mich für den Bereich Medizin entschieden habe, hat sicher auch mit meiner Vorgeschichte zu tun und auch meine momentane Arbeit bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Während meines Studiums im Oktober 2016 dann der erneute Schlag: ein Rediziv, der Krebs ist wieder zurück. Also wurde ich erneut operiert und danach folgte eine extrem hochdosierte Radiojodtherapie (die im übrigen dann auch eine meiner Speicheldrüsen entgültig zerstört hat). Das war die erste Therapie, wo ich extreme Nebenwirkungen und Schmerzen hatte. Auch im Nachhinein hat sie Folgen für mich, denn ich hab nie wieder einen normalen Speichelfluss. Bei der Operation wurden dann leider auch Nebenschilddrüsen entfernt, weswegen mein Körper kaum noch selbst Calcium produziert, bedeutet täglich noch mehr Tabletten schlucken. Danach ging es für mich dann erstmal 4 Wochen in onkologische Reha nach Bad Oeyenhausen und dort konnte ich endlich wieder voll Kraft tanken und mich mit Gleichgesinnten in meinem Alter austauschen. Mittlerweile geht es mir gut, vor ein paar Wochen war eine der sechsmonatigen Nachuntersuchungen und man hat zwar einen größeren Lymphknoten gesehen, aber der Messwert des Tumors ist rückläufig und ich hoffe, dass es auch so bleibt. Ich bin zuversichtlich, dennoch bleibt immer etwas Angst vor einem erneuten Rückschlag. Wie wirkt sich soetwas auf die Psyche aus? Ich bin verdammt oft psychisch an meine Grenzen gekommen und dachte ich hab keine Kraft mehr und ohne meine Familie und Freunde hätte ich das Ganze niemals geschafft. Allerdings kann ich euch sagen, mein Freundeskreis hat sich im Laufe dieser Zeit extrem ausgefiltert und verändert, denn in so einer Zeit merkt man, wer wahre Freunde sind und wer nicht. Während so einer Zeit ist es auch wichtig einer Leidenschaft nachzugehen und diese Leidenschaft ist für mich in den letzten Monaten Instagram geworden beziehungsweise Fotos machen und kreativ werden. Ich habe schon immer gerne Fotos gemacht und so doof das für manche auch klingen mag, es hat mir geholfen und mir Kraft gegeben. Und da ich neben Fotos machen auch gerne schreibe, gibt es diesen Blog. Ich möchte aber hier wie auf Instagram nicht nur positives mit euch teilen sondern eben auch einschneidende und weniger schöne Erlebnisse und ich bin gespannt was ihr dazu sagt!

xoxo, Verena ♡

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